Chinua Achebe

Heimkehr in ein fremdes Land

Man nennt ihn den Gründer der modernen, afrikanischen Literatur: Chinua Achebe (1930 bis 2013) schrieb Bücher, die heute als Klassiker im Kanon fast aller Schulen Afrikas verankert sind. Sein Verdienst liegt darin, den Einfluss des Kolonialismus auf die traditionelle, afrikanische Gesellschaft mit scharfer Beobachtungsgabe beschrieben zu haben. Dabei verband der aus Nigeria stammende Autor klassische Erzähltechniken mit lokaltypischen Sprichwörtern, archaischen Bildern und rituellen Einflüssen, so dass eine ganz eigene Prosa daraus entstand, die nicht nur Leser auf dem afrikanischen Kontinent fesselte.

Geboren als Sohn eines evangelikalen Katechisten, wurde ihm in Nigeria früh eine gute Schulbildung zuteil. Nach seinem Studium der Theologie, Anglistik und Geschichte arbeitete er mehr als ein Jahrzehnt für die Nigerian Broadcasting Corporation. Im Alter von 28 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman Things Fall Apart, der heute als Grundpfeiler der afrikanischen Literatur gilt. Unter dem Titel "Alles zerfällt" erschien der Roman im Fischer Verlag auf Deutsch und erzählt die Geschichte des jungen Nigerianers Okonkwo, der sich sowohl an den strengen Regeln seines Stammes als auch am Regime der weißen Kolonialisten aufreibt und schließlich tragisch scheitert.

Den Nachfolgeband dieser als Trilogie aufgebauten Geschichte legte Achebe unter dem Titel "Heimkehr in ein fremdes Land" (Fischer) vor. Darin schildert er das Leben von Obi Okwonkwo, Enkel des Protagonisten aus dem ersten Teil. Ausgebildet in England will dieser fernab seines Heimatdorfes in Lagos Karriere machen - und gerät in Schwierigkeiten, als ihn die Erwartungen seiner Familie und seines Stammes einholen. Am Ende steht er vor den Trümmern seines Lebens und landet wegen Korruption im Gefängnis.

Termitenhügel in der Savanne

Der dritte Teil erschien unter dem Titel "Der Pfeil Gottes" ebenfalls im Fischer Verlag und spielt im frühen 20. Jahrhundert. Protagonist ist der nigerianische Oberpriester Ezeulu, der sich durch die Ausbreitung des Christentums bedroht sieht, die von der britischen Kolonialmacht vorangetrieben wird. Seinen Widerstand gegen die Besatzer bezahlt er mit Gefängnis und dem Tod seines Sohnes - und sieht sich am Schluss innerhalb seiner Stammesgemeinschaft unverstanden und isoliert.

Für seine Arbeit wurde Achebe vor allem in der späten Phase seines Schaffens mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet: 2002 wurde ihm in Frankfurt am Main der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen, 2007 der Man Booker International Prize. Nach einem Autounfall in den 1990er Jahren war der Autor an den Rollstuhl gefesselt und gesundheitlich zunehmend eingeschränkt, trotzdem nahm er noch zahlreiche Reisen auf sich und trat als Redner und Gastdozent auf der ganzen Welt auf. Seit 2002 gehörte er der American Academy of Arts and Sciences als gewähltes Mitglied an. Das Ende seines Lebens verbrachte er in seiner Wahlheimat USA, wo er im März 2013 im Alter von 82 Jahren in Boston verstarb.



Der Pfeil Gottes

 

 


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