Mohamed Mbougar Sarr

La plus secrète mémoire des hommes

Er ist jung, schreibt auf Französisch und gilt als eines der größten Talente der modernen, afrikanischen Literatur: Der 1990 im Senegal geborene Autor Mohamed Mbougar Sarr ist in Frankreich schon mit zahlreichen Buchpreisen ausgezeichnet worden. Für seinen vierten Roman "La plus secrète mémoire des hommes" (auf Deutsch: Die geheimste Erinnerung der Menschheit) wurde ihm im November 2021 der international viel beachtete Prix Goncourt verliehen. Sarr zählt damit zu den jüngsten Autoren, die den Preis jemals erhalten haben. Die Auszeichnung wird seit 1903 einmal im Jahr in vier Kategorien vergeben und gilt als renommiertester Literaturpreis in ganz Frankreich.

Der Prix Goncourt, symbolisch mit nur 10 Euro dotiert, hat sich als Garant für Buchverkäufe in Millionenhöhe etabliert und wird Sarr zu internationalem Renommee verhelfen. Bisher sind seine Romane nur im französischsprachigen Raum bekannt. Inhaltlich widmet sich der Autor Themen wie Dschihadismus, Migration nach Europa und den Umgang mit Homosexualität im Senegal. Auch das Verhältnis Afrikas zu Frankreich beschäftigt ihn immer wieder. Die Aufmerksamkeit, die ihm durch den Preis zuteilwird, sieht er durchaus kritisch: In einem Interview mit der Deutschen Welle merkte er an, dass afrikanische Literatur nicht erst existiert, seit Schriftsteller wie er internationale Auszeichnungen erhalten. Vielmehr sei afrikanische Literatur trotz schwieriger Bedingungen immer schon dagewesen und solle vor Ort durch eine gezieltere Kulturpolitik in den jeweiligen Ländern in Zukunft besser gefördert werden.

Brotherhood

Für die deutsche Übersetzung an Sarrs Buch hat sich der Hanser Verlag die Rechte gesichert. Der Roman schildert die Geschichte eines jungen Schriftstellers, der sich auf die Spur eines vor 80 Jahren verschwundenen Autors begibt: Seine Recherchen führen in verschiedene Länder und schließlich zu der Frage, warum sich die Auseinandersetzung mit dem Schreiben lohnt, vor allem aus dem Exil heraus. Die Geschichte ist nicht stringent erzählt, sondern setzt sich aus verschiedenen Textformen zusammen - vom Eintrag ins Arbeitstagebuch über den Zeitungsartikel bis hin zum Interview-Format. All dies bündelt der Autor in seinem preisgekrönten Roman zu einem Literaturkrimi, der die Bedeutung des Schreibens subtil hinterfragt.

Sarr, der in seiner Heimat eine Militärakademie besuchte und später in Frankreich an einer Elite-Universität Philosophie und Literatur studierte, sagt von sich, dass ihn das Politische und Gesellschaftliche bei seiner Arbeit antreibt. In einem kurzen Selbstporträt auf der Website der Berliner Akademie der Künste schildert er zudem, dass seine Leidenschaft vor allem der Literatur selbst gilt: Im Mittelpunkt steht für ihn dabei unter anderem die Frage, welche Möglichkeiten sie hat und wo sie versagt.