David Diop

Reise ohne Wiederkehr oder Die geheimen Hefte des Michel Adanson

Senegalschützen, so nannte man sie. Mehr als 130.000 Söldner, die unter der Flagge Frankreichs in den Ersten Weltkrieg zogen. Einer von ihnen war der Urgroßvater des franko-senegalesischen Schriftstellers David Diop. Er kehrte zurück, ohne jemals ein Wort über das zu verlieren, was er im Krieg erlebt hatte. Das inspirierte seinen Urenkel zu einem Roman, der 2021 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet wurde: "Nachts ist unser Blut schwarz"; erschienen im Aufbau Verlag in einer Übersetzung von Andreas Jandel.

David Diop erzählt darin die Geschichte von Alfa, einem jungen Mann aus dem Senegal, der zusammen mit seinem Jugendfreund auf französischer Seite gegen die Deutschen in den Krieg zieht. Als sein Freund auf dem Feld stirbt, verfällt Alfa zunehmend dem Wahnsinn: Nachts schleicht er über die Schlachtfelder und trennt den Leichen deutscher Soldaten die Hände ab. Seine Kameraden bewundern ihn zunächst, bekommen dann aber immer mehr Angst vor ihm. Für die inneren Monologe seines Protagonisten verwendet Diop einen Satzbau, der bewusst an die senegalesische Landessprache Wolof angelehnt ist. So gelingt es dem Autor, die Figur authentischer zu zeichnen und dem Leser dessen Gedankenwelt näherzubringen. Der Roman zeigt die unfassbare Brutalität des Ersten Weltkriegs und wirft die Frage auf, wie die Protagonisten den erlebten Horror in den Schützengräben je verarbeiten konnten.

Diop, 1966 in Paris als Sohn einer Französin und eines Senegalesen geboren und anschließend in der Heimat seines Vaters aufgewachsen, unterrichtet als Dozent für Literatur des 18. Jahrhunderts an der Universität Pau. Bislang hat er zwei historische Romane vorgelegt, mit denen er innerhalb Frankreichs schnell auf sich aufmerksam machen konnte. Im Jahr 2012 erschien sein Debüt "1889, l'Attraction universelle", das die tragisch endende Reise einer Delegation aus dem Senegal zur Weltausstellung nach Paris schildert. Sechs Jahre später überzeugte Diop die französische Literaturkritik mit seinem zweiten Buch: 2018 landete "Nachts ist unser Blut schwarz" auf der Shortlist von gleich zehn renommierten, landesweiten Literaturpreisen und wurde letztlich mit dem Prix Goncourt des Lycéens ausgezeichnet, der nach einer Abstimmung unter französischen Oberstufenschülern vergeben wird. Darüber hinaus wurde der Roman auch international gewürdigt - mit dem Los Angeles Book Prize sowie mit einem italienischen und einem niederländischen Literaturpreis.

Nachts ist unser Blut schwarz

Beim internationalen Booker Prize 2021 setzte sich Diops Roman unter 125 Mitbewerbern durch. Der Autor teilt sich die mit 50.000 britischen Pfund dotierte Auszeichnung mit der Übersetzerin Anna Moschovakis, die das Werk aus dem Französischen ins Englische übertragen hat.